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Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS)

Aus ADHSpedia

Die Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS) ist ein Selbstbeurteilungsfragebogen zur Erfassung von ADHS-Symptomen bei Erwachsenen. Sie entstand bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Zuge der Überarbeitung des Composite International Diagnostic Interview (CIDI). Die Validierungsstudie der Arbeitsgruppe um Ronald C. Kessler erschien 2005.[1] Die Fassung v1.1 besteht aus 18 Fragen, von denen sechs einen eigenständigen Kurzscreener bilden. Eine deutsche Übersetzung des Screeners stellt die Harvard Medical School kostenlos zur Verfügung.[2][3]

Aufbau

Die 18 Fragen beziehen sich auf die Häufigkeit der Symptome nach Kriterium A des DSM-IV.[1] Bezugszeitraum sind die letzten sechs Monate, die Antwortmöglichkeiten lauten „niemals“, „selten“, „manchmal“, „oft“ und „sehr oft“.[3] Die sechs Fragen des Screeners (Teil A) wurden mit einer schrittweisen logistischen Regression so ausgewählt, dass sie möglichst gut mit der klinischen Einordnung übereinstimmen. In der Validierungsstudie an 154 Teilnehmern des US-amerikanischen National Comorbidity Survey Replication schnitt der ungewichtete Screener besser ab als die Fassung mit 18 Fragen. Seine Sensitivität lag bei 68,7 Prozent (18 Fragen: 56,3 Prozent), die Spezifität bei 99,5 Prozent (98,3 Prozent).[1] In einer späteren Studie an 668 Versicherten einer US-amerikanischen Krankenversicherung lag die Retest-Reliabilität des Screeners zwischen 0,58 und 0,77; die Übereinstimmung mit der klinischen Diagnose erreichte eine Fläche unter der ROC-Kurve von 0,90.[4]

Auswertung des Screeners

Nach der ursprünglichen Auswertung zählt jede Antwort, die in ein schattiertes Feld des Bogens fällt. Vier oder mehr solcher Antworten gelten als Hinweis auf Symptome, die mit einer ADHS im Erwachsenenalter vereinbar sind und weiter abgeklärt werden sollten.[3]

Im Februar 2024 veröffentlichten die Entwickler eine geänderte Auswertung. Die Antworten werden nun von 0 („niemals“) bis 4 („sehr oft“) bewertet und zu einem Summenwert zwischen 0 und 24 addiert. Ab 14 Punkten gilt das Screening als positiv; unterschieden werden vier Bereiche (0–9, 10–13, 14–17 und 18–24 Punkte). Begründet wurde die Änderung damit, dass die bisherige Zählweise zu hohen und uneinheitlichen Prävalenzschätzungen geführt habe.[5]

Deutschsprachige Normen

Beatrice Mörstedt, Salvatore Corbisiero und Rolf-Dieter Stieglitz normierten 2016 die ASRS v1.1 zusammen mit der ADHS-SB an 640 Personen aus der Deutschschweiz. Die Normen sind nach Altersgruppen gegliedert und enthalten kritische Werte, ab denen eine genaue Abklärung erfolgen sollte.[6]

Kölner ADHS-Test für Erwachsene

Der Kölner ADHS-Test für Erwachsene (KATE) von Gerhard Lauth und Wolf-Rüdiger Minsel erschien 2014 bei Hogrefe. Die Testbatterie besteht aus vier Fragebögen: dem ASRS-Screener, der erweiterten ASRS-Symptom-Checkliste v1.1, einem Fragebogen zum Funktionsniveau im Alltag und einem Fragebogen zu den Verhaltensmerkmalen der ADHS nach DSM-IV-TR. Für alle Bögen liegen Prozentrangnormen vor, beim Screener auf Grundlage von 259 Personen. Die vollständige Batterie ist in 7 bis 12 Minuten bearbeitet.[7] In der Verfahrensübersicht zur S3-Leitlinie ist der KATE aufgeführt, die ASRS selbst dagegen nicht.[8]

ASRS-5

Für die Kriterien des DSM-5 entwickelte die Arbeitsgruppe eine neue Kurzfassung mit sechs Fragen, die ASRS-5. Fragen und Gewichtung wurden mit einem Verfahren des maschinellen Lernens aus den Daten einer US-amerikanischen Haushaltsbefragung und einer Befragung von Krankenversicherten bestimmt. In den auf die Bevölkerung gewichteten Daten erreichte die Skala eine Sensitivität von 91,4 und eine Spezifität von 96,0 Prozent, in einer klinischen Stichprobe 91,9 und 74,0 Prozent.[9]

Die deutsche Fassung der ASRS-5 prüften Ballmann und Kollegen in Hausarztpraxen und einer ADHS-Ambulanz an 262 Patienten zwischen 18 und 65 Jahren. Als Vergleichsmaßstab diente die von geschulten Interviewern durchgeführte revidierte Integrierte Diagnose der ADHS im Erwachsenenalter (IDA-R). Die Sensitivität lag bei 95,6, die Spezifität bei 72,3 Prozent, die interne Konsistenz bei α = 0,88. Die befragten Hausärzte bewerteten den Bogen als praktikabel.[10]

Nutzungsbedingungen

Frei nutzbar ist der Screener der ASRS v1.1, sofern der Urheberrechtsvermerk erhalten bleibt und die Validierungsstudie von 2005 zitiert wird. Fragen, Antwortkategorien und Schattierungen dürfen nicht verändert werden. Die Fassung mit 18 Fragen und die ASRS-5 dürfen nur mit Genehmigung verwendet werden.[2]

Siehe auch

Weitere interessante Artikel

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 Kessler RC, Adler L, Ames M et al. The World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS): a short screening scale for use in the general population. Psychol Med. 2005;35(2):245–256. doi:10.1017/S0033291704002892
  2. ↑ 2,0 2,1 Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS). Harvard Medical School, National Comorbidity Survey. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  3. ↑ 3,0 3,1 3,2 Screening-Test mit Selbstbeurteilungs-Skala V1.1 für Erwachsene mit ADHS (ASRS-V1.1) (PDF). Deutsche Fassung des Screeners. Harvard Medical School. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  4. ↑ Kessler RC, Adler LA, Gruber MJ et al. Validity of the World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS) Screener in a representative sample of health plan members. Int J Methods Psychiatr Res. 2007;16(2):52–65. doi:10.1002/mpr.208
  5. ↑ ASRS v1.1 Screener (6Q): Scoring update (PDF). Harvard Medical School, National Comorbidity Survey. 28. Februar 2024.
  6. ↑ Mörstedt B, Corbisiero S, Stieglitz RD. Normierung der Adult ADHD Self-Report-Scale-V1.1 und der ADHS-Selbstbeurteilungsskala an einer repräsentativen deutschsprachigen Stichprobe. Diagnostica. 2016;62(4):199–211. doi:10.1026/0012-1924/a000154
  7. ↑ KATE. Kölner ADHS-Test für Erwachsene. Testzentrale, Hogrefe Verlag. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  8. ↑ Deutschsprachige psychometrisch untersuchte Verfahren zur Erfassung von ADHS-Symptomatik im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter (PDF). Übersicht nach der S3-Leitlinie ADHS (2018). zentrales adhs-netz. Abgerufen am 6. Oktober 2026.
  9. ↑ Ustun B, Adler LA, Rudin C et al. The World Health Organization Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Self-Report Screening Scale for DSM-5. JAMA Psychiatry. 2017;74(5):520–527. doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.0298
  10. ↑ Ballmann C, Kölle MA, Bekavac-Günther I et al. Evaluation of the German version of the Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Self-Report Screening Scale for DSM-5 as a screening tool for adult attention-deficit/hyperactivity disorder in primary care. Front Psychol. 2022;13:858147. doi:10.3389/fpsyg.2022.858147