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ADxS.org

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ADXS.org
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Motto Das AD(H)S-Kompendium
Betreiber Ulrich und Kirsten Brennecke
Betrieb privat
Erschienen 2017
Status aktiv


adxs.org (Eigenschreibweise: ADxS.org) ist ein privates Weblog zum Thema ADHS, das von der Karlsruher Privatperson Ulrich Brennecke und der Psychologin Kirsten Brennecke betrieben wird. Ziel des Projekts ist die Schaffung einer umfassenden Wissensdatenbank für Fachpersonen und Betroffene.[1]

Einordnung

Das ADxS-Blog ist als ein privates, von Laien betriebenes Weblog einzuordnen, welches innerhalb seiner Artikel mit gemischten Literaturquellen arbeitet, darunter überwiegend Fachliteratur. Gelegentlich finden sich auch private Meinungen und Empfindungen der Blogbetreiber wieder, welche nicht durch Belege gestützt werden.

Ziele

Zu den erklärten Zielen des Projektes zählen (Reihenfolge übernommen):[2]

  • eine Betreuung durch einen wissenschaftlichen Beirat
  • eine Öffnung für Fachbeiträge weiterer Autoren
  • eine Öffnung für Darstellungen abweichender Meinungen von Fachautoren, die als solche gekennzeichnet und begründet sind
  • eine Einbeziehung einer Vielzahl an Wahrnehmungsberichten von Betroffenen.

Ferner wird beabsichtigt, die Texte des Projekts in regelmäßigen Abständen durch fixierte Druckauflagen zitierfähig zu machen.

Diskussionsforum

Zum Angebot des Portals zählt seit 2019 ein Diskussionsforum, das im September 2020 etwa 800 Accounts zählte.[3] Nach dem Wegfall der vormals größten deutschen ADHS-Foren ADHS-Chaoten und Andersweltforum in den Jahren 2018 und 2019 handelt es sich beim ADxS-Forum um das meistfrequentierte ADHS-Forum im deutschsprachigen Raum.

Online-Tests

ADxS.org bietet mehrere Online-Selbsttests an, welche Hinweise auf ADHS und andere psychiatrische Störungen geben sollen. Darunter befinden sich auch unvalidierte Konstrukte (Ideen) wie Sluggish Cognitive Tempo (SCT) oder Hochsensibilität, welche keine eigenständigen Störungen darstellen. Von Betreiberseite wurden bislang keine Informationen vorgelegt, welche Auskunft über die Testgüte (Reliabilität, Validität, Objektivität) der angebotenen Tests geben würden. Angaben zu Sensitivität und Spezifität fehlen. In einem „Medikamentenwirkungstest“ mit unbekannter Testgüte soll die Medikamentenwirksamkeit am einzelnen Patienten gemessen werden. Die Betreiber über die diagnostische Zuverlässigkeit eines eigens konstruierten ADHS-Onlinetests:

„Die Übereinstimmung des Symptomtests mit einem validierten professionellen AD(H)S-Test betrug rund 96 %. Wissenschaftliche Untersuchungsansätze zur Diagnostik von AD(H)S erreichen oft nur eine Konstanz von 85 % oder weniger. Ausgebildete Diagnostiker und erfahrene Kliniker erreichten eine Diagnoseübereinstimmung von 88 %.“ [sic!]

Es ist unklar, was der Autor mit „Konstanz“ meint. Ein zentrales Erhebungsmerkmal über die angebotenen Tests hinweg (etwa auch im Rahmen des Medikamenten-Wirksamkeitstests) ist die Frage, wie das Messergebnis des Intelligenzquotienten ausgefallen sei.

Weitere Angebote

  • ADxS.org führt eine Adressliste von etwas über 1000 Ärzten und Therapeuten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Gebiet der ADHS, die für einzelne Postzeitzahlgebiete per E-Mail angefragt werden kann.
  • ADxS.org bietet im Forum eine Eindosierungshilfetabelle im Excelformat, die dabei unterstützen soll, Einflüsse des Monatszyklus, von Sport oder anderen Ereignissen zu berücksichtigen.[4] Die Fundierung des Instruments ist unbekannt.

Besonderheiten

  • Von Betreiberseite besteht ein privates Interesse an einer Integration des Themas Stress in das ADHS-Konzept,[5] sodass dieser mögliche Zusammenhang besonders herausgestellt wird. Von wissenschaftlicher Seite aus betrachtet handelt es sich um ein wenig beachtetes Nischenthema.
  • Ein weiteres in der ADHS-Fachliteratur selten zu findendes Thema behandelt die Verbindung zwischen Immunsystem und ADHS
  • Die Betreiber machen durchgängigen Gebrauch des klinisch und wissenschaftlich ungebräuchlichen und nomenklatorisch inkorrekten Akronyms ‘‘AD(H)S‘‘. Dabei handelt es sich aus Betreibersicht um eine „laienverständliche Schreibweise“.

Finanzierung

Das Projekt ist spendenfinanziert,[6][7] wobei nur etwa 2 % der ausgewiesenen Betriebskosten durch Spenden gedeckt werden. Nach Angaben des Betreibers belaufen sich die jährlichen Kosten des Projekts auf 10.000 € bzw. 11.000 €.[8] Es handle sich um technische Betriebskosten sowie Aufwände zur Verlegung eigener Printexemplare, das Halten von Vorträgen und die Gewährleistung von Unabhängigkeit und Kostenfreiheit. Als aktuelle Spendenquote wird angegeben, dass lediglich einer von zehntausend Besuchern eine Spende veranlasse, wobei sich aus den jährlichen rund 78.000 Unique Visitors bei mittleren 7,8 Spendern p.a. Spenden in Höhe von durchschnittlich 25,83 € realisiert haben.[8]

Kritik

Mangelnde Trennung von Privatmeinung und empirischer Forschung

Kritisch zu sehen ist die Tatsache, dass das Weblog nicht unmissverständlich zwischen Wert und Relevanz von privat erhobenen Umfragewerten und Befunden akademischer Forschung unterscheidet. Beispielsweise werden die Ergebnisse einer privaten, undokumentierten Umfrage, welche von den Bloggern durchgeführt wurde, zur „Widerlegung“ einer wissenschaftlichen Hypothese genannt:[9]

„AD(H)S liegt fast immer eine Hochsensibilität zu Grunde. Ein früherer Name von AD(H)S war Reizfilterstörung. Unsere frühere Hypothese, dass Hochbegabung ebenfalls mit Hochsensibilität korreliert, wurde jedoch nach dem aktuellen Stand der Daten des ADxS.org-Symptomtests (n = 2.000, Stand Juli 2020) widerlegt.“

Wissenschaftliche Belege, welche die Behauptung fundieren würden, dass ADHS nahezu immer einer „Hochsensibilität“ zu Grunde liegen würde, bleiben die Autoren schuldig. Bei Hochsensibilität selbst handelt es sich um ein wissenschaftlich nicht fundiertes (klassifiziertes) Konstrukt. Daher ist es nach aktuellem Stand gar nicht möglich, eine Beziehung zwischen ADHS und Hochsensibilität zu erforschen. Auch ist ADHS nomenklatorisch zu keiner Zeit als „Reizfilterstörung“ klassifiziert oder im praktischen Umfeld als solche etabliert gewesen.

Weiterhin ist eine deutliche Vermischung der privaten Meinung der Blogger mit einer unstrukturierten und ungewichteten Präsentation wissenschaftlicher Publikationen gegeben. Beispielhaft hierfür ist ein Bericht der Blogger über das wissenschaftlich bislang nicht substantiierte Phänomen „Rejection Sensitive Dysphoria“ (RSD), welches von manchen Praktikern als komorbid zur ADHS empfunden wird. Die Blogger stellen dieses Phänomen durch eine starke quantitative Gewichtung in einer eigenen Artikelkategorie heraus. Als Belege finden sich anekdotische Fallberichte, darunter unter anderem ein Blogbeitrag eines US-amerikanischen Arztes namens William Dodson, der im amerikanischen Unterhaltungsmagazin ADDitude Mag von seinen Praxiserfahrungen mit Clonidin und Guanfacin in der Reduktion der von ihm beobachteten RSD-Symptomatik berichtet.[10] Hinweise darauf, dass es sich um ein unvalidiertes Konstrukt handelt und dass die Behandlung desselben folgerichtig ebenso nicht validiert ist, sondern experimentell per Augenmaß vollzogen wird, bleiben die Blogger schuldig.

Falschzitate

Über das Blog hinweg sind vielerorts Eigeninterpretationen und damit verbundene Falschzitationen wissenschaftlicher Autoren zu beobachten. So werden Retz und Rösler mit einer Aussage zitiert, nach der diese Eigenschaften wie Zähigkeit und Ausdauer als typische Eigenschaften ADHS-Betroffener genannt haben sollen. Es handelt sich um ein Falschzitat: Tatsächlich handelt es sich um fiktive Beispiele möglicher positiver Eigenschaften, welche im Rahmen eines therapeutischen Gruppenseminars genannt werden könnten.[11] Innerhalb desselben Artikels findet die Quelle 19 Mal als Falschzitierung Anwendung.

Weiters zitieren die Autoren eine Publikation von Van Dijk, Mostert und Kollegen, welche darauf hinweist, dass es einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitseigenschaften und ADHS, nicht aber zwischen ADHS und neurokognitiven Profilen (FFM) geben könnte.[12] Hier geben die Autoren des Blogs fälschlicher Weise an, dass Offenheit als „typischer Trait für AD(H)S“ [sic] festgestellt worden sei.[13] Tatsächlich weisen Van Dijk et al. jedoch – auch unter Berücksichtigung der aktuellen Forschungslage – darauf hin, dass dem erhöhten Offenheitsscore vielmehr eine erhöhte Enthemmung zu Grunde liegen mag, als einer Verankerung in der Persönlichkeit. Enthemmung stellt (im Sinne von Impulsivität) ein Kardinalsymptom der ADHS dar, und diese sei letztendlich gemessen worden.

Weblinks

Weitere interessante Artikel

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Einzelnachweise